Die drastische Erhöhung der Glücksspielsteuer in den Niederlanden zeigt ungewollte Nebenwirkungen: Statt höhere Einnahmen zu generieren, sind die Steuererlöse 2025 deutlich gesunken. Branchenverbände warnen vor einer gefährlichen Entwicklung, bei der Spieler vermehrt auf illegale Anbieter ausweichen.
Steuererhöhung auf 37,8 Prozent belastet Branche massiv
Seit Januar 2025 hat die niederländische Regierung die Glücksspielsteuer schrittweise angehoben. Der Satz kletterte zunächst auf 34,2 Prozent des Bruttospielertrags (GGR), um im Januar 2026 auf 37,8 Prozent zu steigen. Damit rangieren die Niederlande europaweit an der Spitze bei den Steuersätzen für Glücksspiel. Die Folgen sind bereits messbar: Der Gesamtumsatz brach im ersten Halbjahr 2025 um etwa 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein.
Diese dramatische Steuererhöhung trifft eine Branche, die erst 2021 legalisiert wurde. Nach der Einführung des Glücksspielgesetzes (Koa) hofften Betreiber auf einen stabilen regulatorischen Rahmen. Die ursprünglichen Steuersätze lagen bei 29 Prozent, was bereits als hoch galt. Die sukzessive Erhöhung auf fast 38 Prozent stellt nun die Geschäftsmodelle vieler lizenzierter Anbieter in Frage.
Schwarzmarkt erobert Marktanteile von lizenzierten Anbietern
Die hohen Steuern haben eine paradoxe Wirkung entfaltet. Während lizenzierte Anbieter unter der Belastung leiden, profitiert der illegale Markt. Aktuelle Schätzungen zeigen ein dramatisches Bild: Illegale Anbieter kontrollieren bereits 55 Prozent des Marktes, während lizenzierte Betreiber nur noch 45 Prozent erreichen. Der Verband VNLOK warnt, dass Spieler bewusst auf unlizenzierte Plattformen ausweichen, um höhere Kosten und strengere Kontrollen zu umgehen.
Besonders betroffen sind Online-Sportwetten und Casino-Spiele. Illegale Anbieter locken Kunden mit attraktiveren Quoten, höheren Boni und weniger restriktiven Limits. Da sie keine Steuern zahlen und keine kostspieligen Compliance-Maßnahmen umsetzen müssen, können sie deutlich günstigere Konditionen anbieten. Dies führt zu einem unfairen Wettbewerb, bei dem sich legale Anbieter in einer strukturell benachteiligten Position befinden.
Spielerschutz und Steuereinnahmen leiden unter der Entwicklung
Die Verlagerung in den Schwarzmarkt untergräbt zentrale Ziele der Glücksspielregulierung. Illegale Anbieter unterliegen keinen Spielerschutzbestimmungen und zahlen keine Steuern an den niederländischen Staat. Gleichzeitig fallen Einnahmen weg, die normalerweise Sport und Wohltätigkeitsorganisationen zugutekommen. Branchenvertreter fordern daher eine Neubewertung des Steuersystems, die wirtschaftliche Realitäten und Regulierungsziele in Einklang bringt.
Die Kanalisierungsrate – also der Anteil der Spieler, die lizenzierte Anbieter nutzen – ist von ursprünglich geplanten 80 Prozent auf unter 45 Prozent gesunken. Dies bedeutet, dass mehr als die Hälfte aller niederländischen Glücksspieler außerhalb des regulierten Marktes aktiv ist. Problematische Spieler haben dadurch keinen Zugang zu Hilfsprogrammen und Selbstausschluss-Mechanismen.
Neue Koalition plant weitere Verschärfungen
Die aktuelle Entwicklung fällt zusammen mit dem Regierungsantritt einer neuen Koalition aus D66, CDA und VVD. Das Regierungsprogramm sieht weitere Verschärfungen vor: ein vollständiges Werbeverbot für Glücksspiel, eine Überprüfung der Lizenzanzahl und strengere Auflagen für Online-Betreiber. Diese Maßnahmen könnten den Druck auf legale Anbieter weiter erhöhen und den Trend zum Schwarzmarkt verstärken.
Die niederländische Glücksspielbehörde KSA (Kansspelautoriteit) steht vor der Herausforderung, einerseits die neuen politischen Vorgaben umzusetzen und andererseits den regulierten Markt zu stabilisieren. Erste Gespräche mit Branchenvertretern deuten darauf hin, dass eine Lockerung der Steuersätze politisch schwer durchsetzbar ist, obwohl die negativen Auswirkungen evident sind.
Europäischer Kontext zeigt Risiken hoher Steuersätze
Die niederländische Erfahrung ist kein Einzelfall. Auch andere europäische Länder mit hohen Glücksspielsteuern kämpfen mit ähnlichen Problemen. Deutschland beispielsweise setzt auf einen moderateren Ansatz mit 5,3 Prozent Steuer auf Online-Sportwetten. Experten argumentieren, dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Steuereinnahmen und Marktregulierung nachhaltiger ist als reine Abschöpfungsstrategien.
Frankreich und Italien haben ähnliche Erfahrungen gemacht: Zu hohe Steuersätze führen zur Marktflucht und letztendlich zu geringeren Gesamteinnahmen. Erfolgreiche Regulierungsmodelle wie in Großbritannien zeigen, dass moderate Steuersätze bei gleichzeitig strengen Spielerschutzbestimmungen sowohl die Kanalisierung als auch die Steuereinnahmen maximieren können.
Wirtschaftliche Auswirkungen auf die Branche
Die hohe Glücksspielsteuer Niederlande hat bereits zu ersten Marktaustritten geführt. Mehrere kleinere Anbieter haben ihre niederländischen Lizenzen zurückgegeben oder Insolvenz angemeldet. Größere internationale Konzerne überdenken ihre Investitionspläne für den niederländischen Markt. Dies führt zu einem Verlust von Arbeitsplätzen und reduziert die Innovationskraft der Branche.
Besonders problematisch ist die Situation für lokale Anbieter, die nicht auf andere Märkte ausweichen können. Sie sehen sich einem doppelten Druck ausgesetzt: hohe Steuern und unfaire Konkurrenz durch illegale Anbieter. Branchenexperten prognostizieren eine weitere Marktkonsolidierung, bei der nur die größten Anbieter überleben werden.
Die niederländische Glücksspielsteuer zeigt exemplarisch, wie gut gemeinte Regulierung unerwünschte Effekte haben kann. Ohne Korrekturen droht eine weitere Stärkung des Schwarzmarkts – mit negativen Folgen für Spielerschutz, Steuereinnahmen und die gesamte Branche. Eine ausgewogene Reformstrategie ist dringend erforderlich, um die ursprünglichen Ziele der Marktregulierung zu erreichen.














