Evoke reagiert auf britische Steuererhöhung mit Strategieprüfung

Der britische Glücksspielkonzern Evoke steht vor einer umfassenden Neuausrichtung. Als Reaktion auf die drastische Erhöhung der Glücksspielabgabe auf 40 Prozent ab April hat das Unternehmen hinter Marken wie William Hill, 888 und Mr Green eine strategische Überprüfung eingeleitet. Diese könnte sogar den Verkauf einzelner Geschäftsbereiche zur Folge haben.

Drastische Steuererhöhung zwingt zu radikalen Maßnahmen

Die britische Regierung hat die Glücksspielsteuer auf 40 Prozent angehoben – ein Schritt, den Evoke-Chef Per Widerström scharf kritisiert. Er warnt vor negativen Auswirkungen auf Beschäftigung, Investitionen und sogar den Verbraucherschutz. Das Unternehmen sieht sich nun gezwungen, seine gesamte operative Struktur zu überdenken und Kosten massiv zu reduzieren.

Die neue Steuerregelung bedeutet für Evoke eine zusätzliche jährliche Belastung von geschätzt 180 Millionen Pfund. Diese enorme Summe entspricht etwa 15 Prozent des Gesamtumsatzes und stellt die bisherige Geschäftsstrategie grundlegend in Frage. Branchenexperten sehen darin einen der aggressivsten regulatorischen Eingriffe in die europäische Glücksspielbranche der letzten Dekade.

Fünf-Punkte-Plan soll 50 Prozent der Mehrbelastung abfedern

Evoke hat einen detaillierten Maßnahmenkatalog entwickelt, um die Steuererhöhung zu kompensieren. Die Strategie umfasst fünf Kernbereiche: Lieferantenverträge werden neu verhandelt (geschätzte Einsparung: 15 Prozent), Marketingausgaben reduziert (10 Prozent), unrentable Filialen geschlossen (8 Prozent Fixkostensenkung), betriebliche Abläufe optimiert (12 Prozent) und Kundenangebote angepasst (5 Prozent Effizienzgewinn).

Die Neuverhandlung der Lieferantenverträge betrifft insbesondere Technologiedienstleister und Zahlungsabwickler. Evoke plant, durch Bündelung der Einkaufsvolumina und längerfristige Verträge bessere Konditionen zu erzielen. Bei den Marketingausgaben sollen vor allem teure TV-Werbespots reduziert und verstärkt auf digitale Kanäle gesetzt werden.

Die geplanten Filialschließungen betreffen hauptsächlich kleinere William Hill-Standorte in weniger frequentierten Lagen. Etwa 300 der insgesamt 1.400 Filialen stehen zur Disposition, was rund 2.500 Arbeitsplätze gefährden könnte. Das Unternehmen betont jedoch, dass Mitarbeiter nach Möglichkeit in anderen Bereichen eingesetzt werden sollen.

Strategische Überprüfung könnte zu Unternehmensverkäufen führen

Parallel zur Kostenoptimierung prüft das Management grundsätzliche strategische Optionen. Gespräche über mögliche Veräußerungen einzelner Geschäftsbereiche laufen bereits, auch wenn das Unternehmen bislang keine konkreten Details kommuniziert hat. Diese Überlegungen zeigen, wie tiefgreifend die Auswirkungen der Steuerreform sind.

Brancheninsider spekulieren über einen möglichen Verkauf der italienischen oder deutschen Geschäftsbereiche, da diese weniger stark von der britischen Steuerreform betroffen sind und attraktive Bewertungen erzielen könnten. Auch die Bingo-Sparte von William Hill gilt als potenzieller Verkaufskandidat, da sie in den letzten Jahren unterdurchschnittlich performte.

Gleichzeitig prüft Evoke strategische Partnerschaften und Joint Ventures, um Synergien zu schaffen und Kosten zu teilen. Besonders im Bereich der Technologieentwicklung und beim Kundenservice sehen Analysten Potenzial für branchenweite Kooperationen.

Operative Zahlen bleiben trotz Herausforderungen stabil

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen entwickelt sich das operative Geschäft solide. Im vierten Quartal erzielte Evoke einen Umsatz von 464 Millionen Pfund, wobei das Online-Gaming um 9 Prozent zulegte. Die für Ende April erwarteten Jahreszahlen 2025 sollen im Rahmen der Prognosen liegen. Auch das erste Quartal 2026 verläuft nach Unternehmensangaben erwartungsgemäß.

Besonders erfreulich entwickelte sich das internationale Geschäft außerhalb Großbritanniens, das mittlerweile 35 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Die Expansion in regulierte Märkte wie Deutschland, Italien und den Niederlanden trägt zunehmend zur Diversifizierung bei und reduziert die Abhängigkeit vom britischen Heimatmarkt.

Die Kundenzahlen blieben trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage stabil. Evoke verzeichnete Ende 2024 etwa 2,8 Millionen aktive Kunden, ein leichter Rückgang von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der durchschnittliche Kundenwert stieg jedoch um 7 Prozent, was die rückläufigen Nutzerzahlen mehr als kompensierte.

Branchenkonsolidierung durch Steuerdruck wahrscheinlich

Die drastische Steuererhöhung dürfte eine Marktbereinigung zur Folge haben. Während große Konzerne wie Evoke durch Skaleneffekte und Kostensenkungsprogramme reagieren können, geraten kleinere Anbieter unter enormen Druck. Das Management sieht darin paradoxerweise auch eine Chance, die eigene Marktposition langfristig zu stärken.

Kleinere Wettbewerber ohne internationale Präsenz dürften besonders leiden. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass mehrere mittelständische Buchmacher Insolvenz anmelden oder nach Übernahmekandidaten suchen. Dies könnte Evoke die Möglichkeit bieten, attraktive Kundenstämme und Standorte zu günstigen Konditionen zu übernehmen.

Die Regulierungsbehörde UK Gambling Commission beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und hat bereits angekündigt, bei einer zu starken Marktkonzentration einzugreifen. Dennoch erwarten Experten, dass sich die Anzahl der Marktteilnehmer in den nächsten zwei Jahren um etwa 30 Prozent reduzieren wird.

Evokes Reaktion auf die britische Steuerreform zeigt exemplarisch, wie regulatorische Eingriffe ganze Branchen umgestalten können. Ob die geplanten Maßnahmen ausreichen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Klar ist: Die britische Glücksspielbranche steht vor ihrer größten Transformation seit Jahren.

Hannes Darben Hannes Darben ist Chefredakteur von casinovergleich.eu und spezialisiert auf Online-Glücksspiel, Regulierung und Casinotrends in Europa. Mit über zehn Jahren Branchenerfahrung analysiert er Anbieter, Boni und Spielstrategien und legt dabei besonderen Wert auf Transparenz, Spielerschutz und redaktionelle Qualität in allen Casino-Tests. mehr lesen
Alawin Casino
Alawin Casino

2000€ Bonuspaket

Betlabel Casino
Betlabel Casino

1500€ Bonuspaket

22Bet Casino
22Bet Casino

1500€ Bonuspaket

Casinovergleich.eu
Warnhinweis: Glücksspiel kann süchtig machen und zu finanziellen sowie persönlichen Problemen führen. Wenn du merkst, dass du die Kontrolle verlierst, hol dir Unterstützung: Informationen und Hilfe findest du unter https://www.check-dein-spiel.de oder bei der BZgA unter https://www.bzga.de .