Die Erich Kästner-Gesamtschule in Kirchlengern hat zwei neue Kickertische erhalten, die weit mehr als nur Pausenunterhaltung bieten sollen. Die Paul und Karin Gauselmann-Stiftung finanzierte die Spende, um technische Bildung und soziale Interaktion an der Schule zu fördern. Die Tische stehen nun in der renovierten Cafeteria und werden sowohl im Technikunterricht als auch in Arbeitsgemeinschaften eingesetzt.
Kickertische als Lernwerkzeug im Technikunterricht
Das Besondere an diesem Projekt: Die Schülerinnen und Schüler sollen die Kickertische selbst warten und reparieren. Dabei lernen sie praktische Fertigkeiten in Mechanik und Materialbearbeitung. Sozialpädagoge Gernot Exner, der das Projekt initiierte, sieht darin einen wichtigen Baustein für handwerkliches Denken und Verantwortungsbewusstsein. Die Verbindung von Spiel und technischer Bildung macht abstrakte Konzepte greifbar.
Die Schüler werden lernen, wie Lager funktionieren, welche Materialien für verschiedene Bauteile verwendet werden und wie mechanische Abläufe optimiert werden können. Defekte Spielfiguren müssen ausgetauscht, Stangen geölt und Schrauben nachgezogen werden. Diese praktischen Tätigkeiten vermitteln grundlegende technische Prinzipien auf spielerische Weise und fördern gleichzeitig das Verständnis für Wartungszyklen und präventive Instandhaltung.
Innovative Pädagogik durch praktisches Lernen
Der Ansatz der Erich Kästner-Gesamtschule entspricht modernen pädagogischen Erkenntnissen, die handlungsorientiertes Lernen in den Mittelpunkt stellen. Statt theoretischer Wissensvermittlung erleben die Schüler unmittelbar, wie technische Systeme funktionieren. Dieser Lernansatz spricht verschiedene Lerntypen an und kann besonders bei Schülern mit praktischen Begabungen zu nachhaltigen Lernerfolgen führen.
Lehrkräfte berichten bereits von ersten positiven Erfahrungen: Schüler, die sich im herkömmlichen Unterricht schwer motivieren lassen, zeigen bei der Arbeit an den Kickertischen großes Engagement. Die Kombination aus Spiel, Technik und sozialer Interaktion schafft eine entspannte Lernatmosphäre, in der Wissen ungezwungen vermittelt werden kann.
Gauselmann-Stiftung fördert regionale Bildungsprojekte
Die 1999 gegründete Paul und Karin Gauselmann-Stiftung konzentriert sich auf Bildung, soziale Projekte und kulturelle Entwicklung in der Region. Mario Hoffmeister, Leiter Kommunikation der Merkur Group, übergab die Tische persönlich. Die Stiftung verfolgt dabei einen nachhaltigen Ansatz: Statt einmaliger Geldspenden investiert sie gezielt in Projekte, die Lernen und Freizeit miteinander verbinden.
Mit einem jährlichen Fördervolumen von mehreren hunderttausend Euro unterstützt die Stiftung regelmäßig Bildungseinrichtungen in Ostwestfalen-Lippe. Dabei stehen innovative Projekte im Fokus, die über traditionelle Lehrpläne hinausgehen und neue Wege der Wissensvermittlung erkunden. Die Förderung der Gesamtschule Kirchlengern reiht sich in eine lange Liste erfolgreicher Bildungsprojekte ein, die von der Stiftung initiiert oder unterstützt wurden.
Soziale Interaktion durch gemeinsames Spiel
Bereits bei der Übergabe wurde deutlich, welches Potenzial in den neuen Spielgeräten steckt. Lehrkräfte und Schüler probierten die Tische sofort aus – klassenübergreifend und ohne Berührungsängste. Diese ungezwungene Begegnung verschiedener Altersgruppen fördert den Zusammenhalt in der Schulgemeinschaft und schafft neue Gesprächsanlässe außerhalb des regulären Unterrichts.
Besonders in Zeiten zunehmender Digitalisierung bieten die Kickertische eine willkommene Abwechslung zu bildschirmbasierten Aktivitäten. Das analoge Spielerlebnis fördert direkte zwischenmenschliche Kontakte und kann dabei helfen, soziale Kompetenzen zu entwickeln. Fairplay, Teamwork und der Umgang mit Erfolg und Niederlage werden ganz nebenbei trainiert.
Förderverein unterstützt innovative Bildungsansätze
Jens Deters, Vorsitzender des Fördervereins, sieht in dem Projekt einen wichtigen Schritt hin zu praxisnaher Bildung. Der Ansatz, technische Fertigkeiten über ein attraktives Freizeitgerät zu vermitteln, könnte Schule machen. Besonders für Schüler, die sich im traditionellen Frontalunterricht schwer tun, bieten solche hands-on-Projekte neue Zugänge zum Lernen.
Der Förderverein plant bereits weitere Projekte dieser Art und prüft Möglichkeiten zur Ausweitung des Konzepts. Denkbar wären zusätzliche Spielgeräte oder die Integration weiterer technischer Elemente in den Schulalltag. Die positive Resonanz auf die Kickertische bestärkt die Verantwortlichen in ihrem Bestreben, innovative Lernkonzepte zu fördern.
Nachhaltigkeit und Zukunftsperspektiven
Die Nachhaltigkeit des Projekts zeigt sich nicht nur in der langfristigen Nutzung der Kickertische, sondern auch in der Übertragbarkeit des Konzepts. Andere Schulen in der Region zeigen bereits Interesse an ähnlichen Projekten. Die Verbindung von technischer Bildung und sozialer Kompetenzentwicklung könnte zu einem Modell für zeitgemäße Schulentwicklung werden.
Die Kickertische zeigen beispielhaft, wie moderne Schulbildung aussehen kann: Technische Kompetenz, soziale Fähigkeiten und praktisches Arbeiten verschmelzen zu einem ganzheitlichen Lernansatz. Für andere Schulen könnte das Kirchlengerner Modell als Inspiration dienen, Bildung und Gemeinschaftsförderung kreativ zu verbinden. Die Investition der Gauselmann-Stiftung wirkt damit weit über die Grenzen einer einzelnen Schule hinaus und könnte wegweisend für die Bildungslandschaft der Region werden.














