Kalshi scheitert mit Klage gegen Sportwetten-Regulierung

Hannes Darben | von: 14.03.26

Ein US-Bundesgericht in Ohio hat den Antrag der Prognosemarkt-Plattform Kalshi auf eine einstweilige Verfügung abgelehnt. Das Unternehmen wollte verhindern, dass staatliche Behörden seine sportbasierten Verträge als illegale Wetten einstufen. Die Entscheidung verschärft die rechtliche Unsicherheit für Prognosemärkte in den USA und zeigt die Grenzen bundesrechtlicher Regulierung gegenüber staatlichen Glücksspielgesetzen auf.

Gericht stärkt Kompetenz der Bundesstaaten

Richterin Sarah D. Morrison stellte in ihrer Begründung klar, dass das Bundesrecht zum Rohstoffhandel nicht automatisch Vorrang vor staatlichen Glücksspielvorschriften besitzt. Der Kongress habe nie ausdrücklich festgelegt, dass nationale Regelungen die Zuständigkeit der Bundesstaaten aufheben. Damit bleibt die Kompetenz der Ohio Casino Control Commission unangetastet, Kalshis Produkte als Sportwetten zu bewerten und entsprechend zu regulieren.

Die Entscheidung basiert auf dem Grundprinzip der dualen Souveränität, das der US-Verfassung zugrunde liegt. Bundesstaaten behalten traditionell die Kompetenz über Glücksspielregulierung, es sei denn, der Kongress greift explizit ein. Diese verfassungsrechtliche Aufteilung hat bereits in der Vergangenheit zu komplexen rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Bundes- und Einzelstaatsebene geführt.

Kalshis rechtliche Strategie basiert auf Finanzmarktrecht

Das Unternehmen argumentiert, seine ereignisbasierten Verträge fielen unter den Commodity Exchange Act (CEA) und seien daher Finanzinstrumente statt Wetten. Diese Einstufung würde bedeuten, dass die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) als Bundesbehörde zuständig wäre und einzelstaatliche Glücksspielgesetze umgangen werden könnten. Richterin Morrison sah jedoch keinen Beleg dafür, dass der Dodd-Frank Act von 2010 die Absicht verfolgte, Sportwetten-Gesetze außer Kraft zu setzen.

Kalshi hatte sich bereits 2020 als Designated Contract Market (DCM) bei der CFTC registrieren lassen und argumentiert seither, dass diese Zulassung bundesweite Gültigkeit besitze. Die Plattform bietet Verträge auf verschiedene Ereignisse an, von Wahlergebnissen bis hin zu Wirtschaftsindikatoren. Das Geschäftsmodell ähnelt traditionellen Derivatemärkten, bei denen Teilnehmer auf zukünftige Ereignisse setzen können.

Widersprüchliche Gerichtsurteile schaffen Rechtsunsicherheit

Die Entscheidung aus Ohio steht im Konflikt mit einem früheren Urteil aus Tennessee, das ähnliche Verträge als Swaps unter CFTC-Aufsicht einordnete. Diese uneinheitliche Rechtsprechung erschwert es Plattform-Betreibern, verlässliche Geschäftsmodelle zu entwickeln. Während ein Gericht Prognosemärkte dem Finanzmarktrecht zuordnet, sehen andere sie als Glücksspiel unter staatlicher Jurisdiktion:

  • Bundesrechtliche Einordnung: Verträge als Finanzderivate unter CFTC-Aufsicht
  • Einzelstaatliche Bewertung: Sportwetten unter lokalen Glücksspielgesetzen
  • Regulatorische Folgen: Unterschiedliche Zulassungsverfahren und Compliance-Anforderungen

Diese rechtliche Fragmentierung betrifft nicht nur Kalshi, sondern die gesamte Prognosemarkt-Industrie. Andere Anbieter wie PredictIt haben ähnliche regulatorische Herausforderungen erlebt. Die CFTC hatte PredictIt 2022 zur Schließung aufgefordert, nachdem sie ihre No-Action-Letter zurückgezogen hatte, die der Plattform zuvor Rechtssicherheit geboten hatte.

Hintergrund der Prognosemarkt-Regulierung

Prognosemärkte haben in den USA eine komplizierte Regulierungsgeschichte. Während sie in anderen Ländern wie Großbritannien etabliert sind, kämpfen sie in den USA mit einem Flickenteppich aus Bundes- und Einzelstaatsgesetzen. Der Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (UIGEA) von 2006 und verschiedene staatliche Glücksspielgesetze schaffen zusätzliche Hürden.

Befürworter argumentieren, dass Prognosemärkte wertvolle Informationen über zukünftige Ereignisse liefern und zur Preisfindung beitragen. Kritiker sehen sie hingegen als verkappte Glücksspielplattformen, die bestehende Schutzmaßnahmen umgehen könnten.

Berufungsverfahren soll Klarheit schaffen

Kalshi kündigte bereits an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Das Unternehmen hofft, dass höhere Instanzen die widersprüchlichen Auslegungen vereinheitlichen. Eine Entscheidung auf Bundesebene könnte endgültig klären, ob Prognosemärkte primär dem Finanz- oder Glücksspielrecht unterliegen. Bis dahin müssen sich Anbieter auf weitere regulatorische Maßnahmen einzelner Bundesstaaten einstellen.

Das Berufungsverfahren wird voraussichtlich vor dem 6. US-Berufungsgericht verhandelt, das für Ohio zuständig ist. Sollte auch diese Instanz gegen Kalshi entscheiden, könnte der Fall letztendlich vor dem Supreme Court landen, was eine endgültige Klärung der Rechtslage bedeuten würde.

Auswirkungen auf die Branche

Die Entscheidung hat weitreichende Folgen für die gesamte Fintech-Branche und Anbieter von Prognosemärkten. Investoren zeigen sich zunehmend vorsichtig bei der Finanzierung solcher Plattformen, solange die regulatorische Unsicherheit anhält. Mehrere Bundesstaaten prüfen bereits eigene Gesetze zur Regulierung von Prognosemärkten.

Die Kalshi-Entscheidung verdeutlicht die komplexe Rechtslage für Prognosemärkte in den USA. Ohne einheitliche bundesweite Regelung bleiben Anbieter den unterschiedlichen Interpretationen einzelner Gerichte und Behörden unterworfen. Für Investoren und Nutzer bedeutet dies anhaltende Unsicherheit über die Verfügbarkeit und rechtliche Absicherung solcher Plattformen. Die Branche wartet nun gespannt auf die Berufungsentscheidung, die möglicherweise den Weg für eine klarere regulatorische Zukunft ebnen könnte.

Hannes Darben Hannes Darben ist Chefredakteur von casinovergleich.eu und spezialisiert auf Online-Glücksspiel, Regulierung und Casinotrends in Europa. Mit über zehn Jahren Branchenerfahrung analysiert er Anbieter, Boni und Spielstrategien und legt dabei besonderen Wert auf Transparenz, Spielerschutz und redaktionelle Qualität in allen Casino-Tests. mehr lesen
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