Der ehemalige NBA-Spieler Damon Jones steht wegen illegaler Sportwetten und manipulierter Pokerpartien vor Gericht. Die Bundesstaatsanwaltschaft wirft ihm vor, Insiderinformationen über Spielerausfälle an Sportwetter weitergegeben und bei betrügerischen Pokerrunden mitgewirkt zu haben. Der Fall zeigt, wie tief organisierte Kriminalität in den US-Sport eindringen kann und stellt die Integrität des professionellen Basketballs in Frage.
Insiderwissen als Wettvorsprung: Der Sportwetten-Betrug
Jones soll geheime Informationen über den Gesundheitszustand von NBA-Stars an Dritte weitergegeben haben. Ein konkretes Beispiel: Vor einem Lakers-Spiel gegen die Milwaukee Bucks im Februar 2023 informierte er Bekannte über LeBron James’ wahrscheinlichen Ausfall – noch bevor die Liga dies öffentlich machte. Die Empfänger setzten daraufhin auf einen Bucks-Sieg und gewannen hohe Summen.
Besonders brisant: Jones animierte seine Kontakte laut Ermittlungsunterlagen aktiv zum Wetten und teilte sich die Gewinne mit ihnen. In einem anderen Fall verkaufte er Informationen über Anthony Davis’ Einsatzzeit für 2.500 Dollar – allerdings ohne Erfolg, da Davis entgegen der Prognose spielte. Die Ermittler dokumentierten mindestens zwölf Fälle, in denen Jones vertrauliche Spielerinformationen für Wettzwecke preisgab.
Die Staatsanwaltschaft beschreibt ein ausgeklügeltes System: Jones nutzte seine Kontakte zu aktiven Spielern, Trainern und Teamärzten, um an medizinische Berichte und Aufstellungspläne zu gelangen. Diese Informationen verkaufte er dann an ein Netzwerk von Sportwettern, die damit systematisch Buchmacher überlisteten.
Manipulierte Pokerrunden mit technischen Hilfsmitteln
Parallel zu den Sportwetten-Vorwürfen ermitteln die Behörden gegen Jones wegen manipulierter Pokerpartien. Er soll als “Face Card” fungiert haben – eine bekannte Persönlichkeit, die neue Spieler anlockt. Dabei kamen laut Anklage präparierte Mischmaschinen, versteckte Kameras und Sensoren zum Einsatz, die es den Betrügern ermöglichten, die Karten der Gegner zu sehen.
Die illegalen Pokerrunden fanden in luxuriösen Privaträumen in Manhattan und Brooklyn statt. Jones’ Aufgabe war es, wohlhabende Geschäftsleute und andere Prominente zu den Spielen einzuladen. Die Einsätze bewegten sich oft im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Ermittlungsunterlagen zeigen, dass allein in einem Zeitraum von sechs Monaten über 2,5 Millionen Dollar durch manipulierte Spiele gewonnen wurden.
Die Ermittler vermuten Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Ein Teil der Einnahmen floss angeblich in übergeordnete Netzwerke. Chatnachrichten zeigen Jones’ Selbstvertrauen in sein Vorgehen, während andere Beweise auf Einschüchterung und Gewalt zur Schuldeneintreibung hindeuten. Mindestens drei Opfer berichteten von Drohungen, nachdem sie ihre Verluste nicht bezahlen konnten.
Vom NBA-Champion zum Angeklagten: Jones’ Karriere
Jones blickt auf eine erfolgreiche Basketball-Laufbahn zurück. Zwischen 1999 und 2009 spielte er für zehn NBA-Teams, darunter die Boston Celtics, Miami Heat und Detroit Pistons, und verdiente während seiner Karriere geschätzte 15 Millionen Dollar. Als Teamkollege von LeBron James gewann er 2016 mit den Cleveland Cavaliers die Meisterschaft. Nach seiner aktiven Karriere arbeitete er als Schussspezialist-Trainer und Basketballkommentator.
Diese Vergangenheit verschaffte ihm offenbar das nötige Vertrauen für seine illegalen Aktivitäten. Seine NBA-Kontakte ermöglichten den Zugang zu sensiblen Informationen, während sein Bekanntheitsgrad neue Pokerspieler anlockte. Jones galt in der Basketball-Community als gut vernetzter und vertrauenswerter ehemaliger Profi, was seine betrügerischen Machenschaften lange Zeit verschleierte.
Weitreichende Ermittlungen mit über 30 Angeklagten
Das Verfahren umfasst mehr als 30 Personen und deckt ein verzweigtes Netzwerk auf, das sich über mehrere Bundesstaaten erstreckt. Die Behörden führten monatelange Überwachungen durch, zapften Telefone ab und werteten elektronische Geräte aus. Die Operation “Courtside” begann bereits 2021 und führte zu koordinierten Razzien in New York, New Jersey und Florida.
Einige Angeklagte kooperieren bereits mit den Ermittlern, was weitere Enthüllungen erwarten lässt. Besonders brisant: Auch andere ehemalige Profisportler sollen in das Netzwerk verwickelt sein. Die Ermittlungen haben bereits zu Beschlagnahmungen von Bargeld, Luxusfahrzeugen und Immobilien im Wert von über 8 Millionen Dollar geführt.
Jones ist gegen eine Kaution von 500.000 Dollar auf freiem Fuß und soll Ende April vor dem Bundesgericht in Brooklyn erscheinen. Sein Anwalt bestätigt, dass sein Mandant nicht mit den Behörden kooperiert und seine Unschuld beteuert.
Signalwirkung für den professionellen Sport
Der Fall Jones verdeutlicht die Anfälligkeit des modernen Sports für Manipulationen. Mit der Legalisierung von Sportwetten in vielen US-Bundesstaaten steigen sowohl die Umsätze als auch die Betrugsrisiken. Insiderinformationen werden zu wertvollen Handelsgütern, die kriminelle Netzwerke systematisch ausnutzen. Der US-Sportwettenmarkt hat ein Volumen von über 150 Milliarden Dollar jährlich erreicht.
Für die NBA und andere Profiligen wird der Fall zum Weckruf: Sie müssen ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärfen und ehemalige Spieler stärker überwachen. Die Liga hat bereits angekündigt, ihre Compliance-Programme zu überarbeiten und strengere Regeln für den Umgang mit Insiderinformationen einzuführen. Der Sportwetten-Skandal um Damon Jones könnte daher weitreichende Konsequenzen für die gesamte Branche haben und das Vertrauen der Fans nachhaltig erschüttern.
















