Ein Gastronomiebetreiber aus Kehl muss nach einem zweijährigen illegalen Glücksspielbetrieb eine Geldstrafe von 10.000 Euro zahlen. Der Fall zeigt exemplarisch, welche rechtlichen Konsequenzen Verstöße gegen das Glücksspielgesetz haben können – und warum die Behörden bei der Verfolgung illegaler Automaten zunehmend konsequenter vorgehen.
Kontrolle deckt jahrelangen Verstoß auf
Im Sommer 2024 stießen Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes bei einer Routinekontrolle auf einen nicht genehmigten Geldspielautomaten. Während die anderen Geräte im Lokal ordnungsgemäß zugelassen waren, erwies sich eines als illegales Glücksspielgerät. Die anschließende Untersuchung durch den Fachbereich bestätigte den Verdacht: Über knapp zwei Jahre hinweg konnten Gäste mit Bargeld spielen und erhielten Gewinne direkt ausgezahlt – ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht.
Die Behörden führten eine umfassende technische Prüfung des Automaten durch. Dabei stellte sich heraus, dass das Gerät nicht über die erforderliche Bauartzulassung der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) verfügte. Zudem fehlten die vorgeschriebenen Sicherheitsmerkmale wie die Begrenzung der Spieleinsätze und Gewinnausschüttungen, die bei legalen Geräten zwingend implementiert sein müssen.
450.000 Euro Umsatz mit illegalem Automaten
Die Ermittlungen förderten das Ausmaß des illegalen Betriebs zutage. In dem Zeitraum von etwa zwei Jahren generierte das nicht genehmigte Gerät Einnahmen von rund 450.000 Euro. Diese Summe verdeutlicht, warum illegale Glücksspielautomaten für Betreiber attraktiv erscheinen mögen – die fehlende Regulierung ermöglicht höhere Gewinnmargen, da weder Steuern noch Lizenzgebühren anfallen.
Besonders problematisch war, dass der Automat keine Limits für Einsätze oder Spielzeiten hatte. Während legale Geräte maximal 60 Cent Einsatz pro Spiel und höchstens 80 Euro Gewinn pro Stunde zulassen, konnten Spieler am illegalen Automaten deutlich höhere Summen einsetzen und gewinnen. Diese Umgehung der Spielerschutzbestimmungen macht illegale Geräte besonders gefährlich für suchtgefährdete Personen.
Rechtliche Konsequenzen treffen Betreiber hart
Das zuständige Gericht verurteilte den Verantwortlichen wegen gewerbsmäßiger Durchführung unerlaubten Glücksspiels. Neben der Geldstrafe von 10.000 Euro ordnete es die Einziehung des Automaten und sämtlicher daraus erzielter Gewinne an. Diese Maßnahme folgt dem Prinzip, dass niemand aus Straftaten Profit ziehen soll. Für den Betreiber bedeutet dies einen Totalverlust der über Jahre angesammelten illegalen Einnahmen.
Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich eine höhere Strafe gefordert, da der Betreiber als Wiederholungstäter galt – bereits 2019 war er wegen ähnlicher Verstöße aufgefallen. Das Gericht berücksichtigte jedoch das Geständnis des Angeklagten und seine Bereitschaft zur Kooperation bei der Aufklärung des Falls. Ohne diese mildernden Umstände hätte die Strafe deutlich höher ausfallen können.
Verschärfte Kontrollen und höhere Strafen
Der Kehler Fall reiht sich in eine bundesweite Entwicklung ein: Behörden gehen verstärkt gegen illegales Glücksspiel vor. Seit der Neuregelung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 sind die Kontrollmechanismen schärfer geworden. Gastronomen und andere Betreiber müssen mit unangekündigten Kontrollen rechnen. Die Strafen reichen von Geldbußen bis zu Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren bei gewerbsmäßigem Betrieb.
Die Überwachung erfolgt mittlerweile koordiniert zwischen verschiedenen Behörden. Neben den kommunalen Ordnungsdiensten sind auch Zoll, Steuerfahndung und spezialisierte Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder beteiligt. Moderne Analysesoftware hilft dabei, verdächtige Umsatzmuster zu erkennen und illegale Automaten aufzuspüren. Allein in Baden-Württemberg wurden 2023 über 200 nicht genehmigte Glücksspielgeräte beschlagnahmt.
Spielerschutz im Fokus der Gesetzgebung
Die strengen Regelungen für Glücksspielautomaten dienen nicht nur dem Staatsschutz, sondern primär dem Spielerschutz. Legale Geräte müssen strenge Auflagen erfüllen: maximale Spielzeiten, Zwangspausen, begrenzte Einsätze und Gewinne sowie deutliche Warnhinweise auf Suchtgefahren. Diese Schutzmaßnahmen fehlen bei illegalen Automaten vollständig, was sie besonders gefährlich für vulnerable Spieler macht.
Studien zeigen, dass illegale Glücksspielautomaten ein erheblich höheres Suchtpotenzial haben. Die fehlenden Limits und die oft manipulierten Gewinnchancen können Spieler schnell in die Verschuldung treiben. Verbraucherschutzorganisationen fordern daher noch schärfere Kontrollen und härtere Strafen für Betreiber illegaler Geräte.
Risiken überwiegen mögliche Gewinne deutlich
Für Betreiber stellt sich die Risiko-Nutzen-Rechnung bei illegalen Glücksspielautomaten als äußerst ungünstig dar. Neben den direkten Strafzahlungen drohen weitere Konsequenzen: Verlust der Gaststättenlizenz, Imageschäden und zivilrechtliche Ansprüche von Spielern. Zudem können Versicherungen bei illegalen Aktivitäten Leistungen verweigern.
Besonders schwerwiegend sind die steuerrechtlichen Folgen. Das Finanzamt kann Nachzahlungen für nicht versteuerte Einnahmen fordern, zuzüglich Zinsen und Strafen. In schweren Fällen droht sogar eine Steuerstrafverfahren. Die Gesamtkosten können so schnell das Mehrfache der ursprünglich erzielten illegalen Gewinne erreichen.
Der Kehler Fall macht deutlich: Die vermeintlich einfachen Zusatzeinnahmen durch illegale Glücksspielautomaten entwickeln sich schnell zum existenzbedrohenden Risiko. Betreiber sollten ausschließlich auf lizenzierte Geräte setzen und bei Unsicherheiten rechtliche Beratung einholen, bevor sie sich strafbar machen.














