Poland Igaming Monopoly Liberalisation und die Zukunft des Polnischen Glücksspielmarktes

Hannes Darben | von: 25.02.26

In Polen gewinnt die Diskussion über die Zukunft des Online-Glücksspiels wieder sichtbar an Fahrt – und sie läuft quer zur Stimmung in Teilen Westeuropas, wo viele Staaten eher Werbung straffen, Steuern anpassen und Regeln nachschärfen. Ausgerechnet Warschau sieht sich dagegen mit einem wachsenden Lager konfrontiert, das mehr Effizienz, Kanalisierung und technische Wirksamkeit fordert – weil das aktuelle System zwar streng wirkt, aber im Online-Casino-Bereich nur begrenzt greift.

Hybrides Modell: Sportwetten offen, Online-Casino im Staatsmonopol

Polen fährt seit Jahren ein Mischmodell:

  • Landbasierte Casinos und Automatenspiele laufen über Lizenzen.

  • Online-Sportwetten sind für private Anbieter erlaubt – allerdings mit einer 12-% Steuer auf den Einsatz (Turnover Tax), was im europäischen Vergleich als hoch gilt.

  • Online-Casino ist dagegen ein Staatsmonopol: Legal ist ausschließlich Total Casino, betrieben von Totalizator Sportowy.

Die ursprüngliche Logik dahinter war Verbraucherschutz: Wenn ein staatlicher Anbieter den Casino-Bereich kontrolliert, sollten Spielsucht, Betrug und Geldwäsche leichter eingedämmt werden. In der Praxis hat sich aber eine Schattenseite verfestigt: Ein großer Teil der Nachfrage wandert zu Offshore-Angeboten ab – und der Staat bekämpft das vor allem über Blocklisten.

Blockliste mit 55.000 Domains: „Katz und Maus“ statt Kontrolle

Das polnische Finanzministerium führt seit 2017 ein Register für Domains, die Glücksspiel rechtswidrig anbieten.
Inzwischen soll diese Blockliste laut aktuellen Branchenberichten bei rund 55.000 gesperrten Websites liegen – was den Umfang des Problems eher unterstreicht als löst, weil Anbieter neue Domains ausrollen und Nutzer Wege finden, Sperren zu umgehen.

Genau hier setzt die Kritik an: Das Monopol könne zwar „legal“ definieren, aber nicht automatisch kanalisieren. Und je größer der Abstand zwischen legalem Angebot (Monopol) und tatsächlicher Nachfrage wird, desto attraktiver bleibt der graue Markt.

Die politische Hypothek: Warum Liberalisierung in Polen ein Minenfeld bleibt

Reformen sind in Polen nicht nur fachlich, sondern vor allem politisch vermint. Der Glücksspielskandal 2009 wirkt bis heute nach: Das Thema gilt für viele Abgeordnete als toxisch, weil schon der Eindruck von „zu viel Nähe“ zur Branche riskant ist. (Das erklärt auch, warum Lobbying hier häufig leiser und defensiver läuft als in anderen Märkten.)

Zusätzlich nutzen Monopol-Befürworter gern den europäischen Trend als Argument: Wenn anderswo Werbeverbote, Restriktionen und höhere Abgaben kommen, warum sollte Polen dann ausgerechnet öffnen?

Warum die Branche trotzdem Druck macht

Aus Sicht vieler Betreiber und Ökonomen hat das System drei strukturelle Schwächen:

  1. Preis-/Produktnachteil durch die 12-% Einsatzsteuer
    Turnover Tax drückt Margen und zwingt legale Anbieter oft zu weniger attraktiven Quoten/Bonis – das kann Nutzer Richtung Offshore schieben.

  2. Monopol bremst Dynamik im Online-Casino
    Ein Anbieter kann Standards setzen, aber Innovation, Vielfalt und Marketingpower sind naturgemäß begrenzt – während Offshore-Seiten aggressiv skalieren.

  3. Durchsetzung ist teuer, aber nicht endgültig
    Blocklisten sind Wartung, nicht Lösung – und die Zahl der gesperrten Domains zeigt, wie dauerhaft der Druck bleibt.

Das ist auch der Grund, warum in Polen immer häufiger ein „Lizenzmodell light“ diskutiert wird: nicht als libertärer Kurs, sondern als Versuch, mehr Markt in den legalen Kanal zu holen – ähnlich wie es bei Sportwetten bereits besser funktioniert.

Reformfenster erst nach 2027?

Realistisch ist kurzfristig trotzdem wenig Bewegung. Selbst wenn Konfederacja als einzige Partei deutlich marktoffener auftritt, liegt ihr Einfluss laut Umfragen eher im niedrigen bis mittleren zweistelligen Bereich – genug, um Debatten zu treiben, aber nicht genug, um allein Gesetze zu ändern.
Dazu kommt: Viele Beobachter rechnen mit echter Reformdynamik eher nach den nächsten Wahlzyklen, weil bis dahin das politische Risiko schwerer wiegt als der wirtschaftliche Nutzen.

Was daraus für CEE folgt

Spannend ist der CEE-Blick: Polen, Tschechien, Rumänien, Slowakei, Bulgarien und Ungarn werden von vielen Unternehmen als zusammenhängender Wachstumsraum betrachtet. Wenn Polen – als einer der großen Märkte – sein Online-Casino-Modell irgendwann öffnet oder die Steuerlogik modernisiert (z. B. weg vom Turnover hin zu GGR), hätte das Signalwirkung für die gesamte Region.


Backlinks

Hannes Darben Hannes Darben ist Chefredakteur von casinovergleich.eu und spezialisiert auf Online-Glücksspiel, Regulierung und Casinotrends in Europa. Mit über zehn Jahren Branchenerfahrung analysiert er Anbieter, Boni und Spielstrategien und legt dabei besonderen Wert auf Transparenz, Spielerschutz und redaktionelle Qualität in allen Casino-Tests. mehr lesen
Felicebet Casino
Felicebet Casino

2600€ Bonuspaket

Spinjo Casino
Spinjo Casino

5000€ Bonuspaket

Goldspin Casino
Goldspin Casino

3000€ Bonuspaket

Casinovergleich.eu
Warnhinweis: Warnhinweis: Glücksspiel kann süchtig machen. Hilfe und Beratung unter www.bzga.de oder telefonisch bei der BZgA.