Die bulgarische Regierung hat Forderungen nach einer weiteren Erhöhung der Glücksspielsteuer und zusätzlichen Werbeverboten zunächst zurückgewiesen. Statt einzelner Änderungen plant das Finanzministerium eine umfassende Überarbeitung des Glücksspielgesetzes.
Die stellvertretende Finanzministerin Lyudmila Petkova warnte im Haushaltsausschuss davor, legale Anbieter durch zusätzliche Belastungen weiter zu schwächen. Eine höhere Besteuerung könne Spieler zu nicht lizenzierten Plattformen treiben und damit den Schwarzmarkt vergrößern.
Gleichzeitig enthält der Haushaltsentwurf für 2026 erstmals ein Lizenz- und Abgabenmodell für Glücksspiel-Affiliates. Dieses Vorhaben befand sich am 23. Juli 2026 allerdings noch im parlamentarischen Verfahren und war damit noch nicht endgültig beschlossen.
Die geplanten Änderungen im Überblick
| Thema | Aktueller Stand |
|---|---|
| Glücksspielsteuer | Seit 2026 grundsätzlich 25 Prozent auf den Bruttospielertrag bestimmter Online-Angebote |
| Forderung der Opposition | Erhöhung auf 30 Prozent |
| Regierungshaltung | Weitere Steuererhöhung vorerst abgelehnt |
| Glücksspielwerbung | Seit 2024 weitgehend verboten |
| Neue Werbeverschärfung | Vorerst nicht angenommen |
| Affiliate-Lizenz | Bestandteil des Haushaltsentwurfs 2026 |
| Geplante Affiliate-Abgabe | 6.000 Euro jährlich plus 10 Prozent auf Provisionen |
| Glücksspielgesetz | Vollständige Überprüfung angekündigt |
| Zuständige Behörde | Bulgarische Nationale Einnahmenagentur, kurz NRA |
Opposition fordert Glücksspielsteuer von 30 Prozent
Die Partei Demokratisches Bulgarien hatte vorgeschlagen, die Abgabe auf den Bruttospielertrag von Online-Glücksspielanbietern auf 30 Prozent anzuheben. Zudem sollten die Lizenzgebühren für Betreiber deutlich steigen.
Die Belastung war bereits zu Beginn des Jahres 2026 von 20 auf 25 Prozent erhöht worden. Zusätzlich unterliegen die Unternehmen grundsätzlich der bulgarischen Körperschaftsteuer von zehn Prozent.
| Abgabe | Derzeitige Regelung | Forderung |
| Abgabe auf den Bruttospielertrag | 25 % | 30 % |
| Körperschaftsteuer | 10 % | Keine Änderung angekündigt |
| Betreibergebühren | Abhängig von Angebot und Lizenz | Deutliche Erhöhung gefordert |
Petkova bezeichnete eine weitere Steuererhöhung nicht grundsätzlich als ausgeschlossen. Sie warnte jedoch davor, sie ohne gleichzeitige Maßnahmen gegen illegale Plattformen umzusetzen.
Regierung verweist auf großen unregulierten Markt
Nach Angaben der stellvertretenden Finanzministerin entfallen derzeit etwa 40 Prozent des bulgarischen Glücksspielmarktes auf nicht regulierte Angebote. Daraus würde sich eine Kanalisierungsquote von ungefähr 60 Prozent für lizenzierte Anbieter ergeben.
Diese Zahl ist allerdings als politische Schätzung einzuordnen. Sie basiert nicht auf einer öffentlich zugänglichen vollständigen Erfassung aller Einsätze bei illegalen Betreibern. Da nicht lizenzierte Plattformen keine verlässlichen Daten an bulgarische Behörden melden, lässt sich ihr tatsächlicher Marktanteil nur näherungsweise bestimmen.
Das Grundproblem ähnelt der Situation in anderen europäischen Märkten:
- Legale Anbieter tragen Steuern und Lizenzkosten.
- Illegale Betreiber umgehen nationale Produktvorgaben.
- Strenge Werberegeln erschweren legalen Marken die Sichtbarkeit.
- Spieler können über ausländische Domains weiterhin auf unregulierte Angebote zugreifen.
- Behörden besitzen nur begrenzten Einblick in Zahlungsströme und Spielerverhalten.
Wie problematisch Angebote ohne nationale Genehmigung sein können, zeigt unser Ratgeber zu den wichtigsten Warnsignalen illegaler Online-Casinos.
Glücksspielwerbung ist bereits stark eingeschränkt
Bulgarien führte im Jahr 2024 eines der strengsten Glücksspielwerbeverbote Europas ein. Glücksspielwerbung ist seitdem insbesondere in folgenden Medien untersagt:
- Fernsehen und Radio,
- Zeitungen und Zeitschriften,
- redaktionellen Internetangeboten,
- zahlreichen öffentlichen Bereichen,
- staatlichen und kommunalen Gebäuden.
Ausnahmen gelten unter anderem für bestimmte Formen des Sportsponsorings, Außenwerbung und die Kennzeichnung stationärer Glücksspielstätten.
Diese Ausnahmen gelten weiterhin
| Werbeform | Zentrale Voraussetzung |
| Außenwerbung | Mindestens 300 Meter Abstand zu Schulen, Universitäten, Spielplätzen und Jugendeinrichtungen |
| Werbung an Spielstätten | Maximal 50 Quadratmeter beziehungsweise 20 Prozent der Fassade |
| Sportwerbung | Unter bestimmten gesetzlichen Bedingungen erlaubt |
| Warnhinweis | Mindestens zehn Prozent der Werbefläche müssen auf das Suchtrisiko hinweisen |
Die Partei „Wir setzen den Wandel fort“ forderte zusätzliche Einschränkungen in dicht besiedelten Gebieten. Diskutiert wurden außerdem strengere Regeln für Produktplatzierungen, Sportsponsoring und die Verwendung von Glücksspielmarken in Namen von Wettbewerben.
Das Finanzministerium lehnte es jedoch ab, diese Punkte kurzfristig über Übergangsbestimmungen des Haushaltsgesetzes einzuführen. Stattdessen sollen Werberegeln Teil der angekündigten Gesamtüberprüfung werden.
Andere europäische Staaten diskutieren vergleichbare Eingriffe. Spanien plant beispielsweise deutlich sichtbare Hinweise auf Verlustrisiken und Spielsucht. Mehr dazu steht in unserem Bericht über die geplanten Glücksspiel-Warnhinweise in Spanien.
Finanzministerium will Glücksspielgesetz vollständig überprüfen
Petkova bestätigte, dass das Finanzministerium mit einer umfassenden Überprüfung des bulgarischen Glücksspielgesetzes beginnen will.
Das Ministerium kritisiert insbesondere, dass die Vorschriften in den vergangenen Jahren wiederholt über Änderungsanträge zu anderen Gesetzen angepasst wurden. Dadurch seien Widersprüche und Ungenauigkeiten entstanden, deren spätere Korrektur teilweise mehrere Jahre benötige.
Die Reform könnte mehrere Bereiche betreffen:
| Reformbereich | Mögliche Fragestellung |
| Besteuerung | Welche Abgaben sichern Einnahmen, ohne den illegalen Markt zu stärken? |
| Werbung | Welche Ausnahmen sind noch vertretbar? |
| Affiliates | Müssen Vermittler und Vergleichsseiten separat lizenziert werden? |
| Spielerschutz | Sind zusätzliche Sperren, Limits oder Warnhinweise erforderlich? |
| Aufsicht | Benötigt die NRA mehr Personal und technische Befugnisse? |
| Schwarzmarkt | Wie lassen sich Zahlungen und Zugriffe auf illegale Seiten blockieren? |
Ein konkreter Gesetzentwurf für die vollständige Reform liegt bislang nicht vor. Damit ist auch noch offen, welche Vorschriften tatsächlich geändert werden und wann neue Regelungen in Kraft treten könnten.
Neue Lizenz für Glücksspiel-Affiliates geplant
Deutlich konkreter ist der Vorschlag zur Regulierung von Glücksspiel-Affiliates. Der Haushaltsentwurf 2026 sieht eine eigene Lizenz für Unternehmen und Personen vor, die lizenzierte Glücksspielanbieter gegen Provision bewerben oder ihnen neue Kunden vermitteln.
Vorgesehen ist eine zweiteilige Abgabe:
| Affiliate-Abgabe | Geplanter Betrag |
| Feste jährliche Gebühr | 6.000 Euro |
| Variable Abgabe | 10 % der Affiliate-Provisionen |
Die Regelung soll Affiliates erfassen, deren Vergütung von messbaren Ergebnissen wie Registrierungen, Einzahlungen oder Spielaktivitäten abhängt. Ziel ist es, die bisher nur indirekt beaufsichtigte Vermarktung von Glücksspielangeboten in das Lizenzsystem einzubeziehen.
Wer könnte von der Regelung betroffen sein?
Je nach endgültiger Definition könnten unter anderem folgende Geschäftsmodelle erfasst werden:
- Casino-Vergleichsseiten,
- Sportwetten-Portale,
- Influencer mit Provisionsvereinbarungen,
- Betreiber von Bonus- und Gutscheincode-Seiten,
- Medienkäufer und Lead-Generatoren,
- Unternehmen mit Revenue-Share-Verträgen.
Unklar ist noch, ob die Lizenzpflicht ausschließlich für in Bulgarien ansässige Affiliates gelten soll oder auch ausländische Unternehmen erfasst, die sich gezielt an bulgarische Spieler richten.
Ebenfalls offen sind mögliche Übergangsfristen, Berichtspflichten und Sanktionen bei Verstößen.
Affiliate-Regelung noch nicht endgültig beschlossen
Der Haushaltsentwurf wurde am 15. Juli 2026 in erster Lesung vom bulgarischen Parlament angenommen. Am 23. Juli beriet die Nationalversammlung über den Entwurf in zweiter Lesung.
Damit war die Affiliate-Regelung zum Zeitpunkt der Recherche noch kein abschließend geltendes Recht. Änderungen oder eine vollständige Streichung einzelner Bestimmungen waren weiterhin möglich.
Der Status lässt sich deshalb wie folgt zusammenfassen:
- Die Affiliate-Lizenz ist Teil des Haushaltsentwurfs.
- Das Parlament hat den Haushalt in erster Lesung angenommen.
- Die abschließende Beratung war noch nicht beendet.
- Details können sich bis zur Verkündung weiterhin ändern.
- Betroffene Unternehmen sollten noch keine endgültigen Compliance-Schritte allein auf Basis des Entwurfs einleiten.
NRA ist für die Glücksspielaufsicht zuständig
Die Glücksspielaufsicht liegt in Bulgarien seit August 2020 bei der National Revenue Agency. Die Behörde ist für die Erteilung und Überwachung von Lizenzen, die Kontrolle von Online-Anbietern und die Durchsetzung steuerlicher Pflichten zuständig.
Auf der offiziellen Glücksspielseite der bulgarischen NRA finden sich Informationen zu Lizenzen, Meldepflichten und erlaubten Online-Angeboten.
Im Juni 2026 verließ Alexander Popov nach übereinstimmenden Branchenberichten seine Position als Direktor für Glücksspielpolitik. Eine endgültig bestätigte Nachfolge war zunächst nicht bekannt.
Diese Personalfrage könnte für die Reform relevant werden. Die NRA muss neue Regeln später technisch umsetzen, Lizenzverfahren entwickeln und die Einhaltung kontrollieren.
Was bedeutet die Entwicklung für Glücksspielanbieter?
Lizenzierte Betreiber müssen vorerst nicht mit einer unmittelbaren Erhöhung der GGR-Abgabe auf 30 Prozent rechnen. Langfristig bleibt eine Anpassung des Steuer- und Gebührenmodells aber möglich.
Besonders relevant sind:
- mögliche neue Berichtspflichten,
- strengere Überprüfung von Marketingpartnern,
- zusätzliche Vorgaben für Sponsoring,
- stärkere Maßnahmen gegen illegale Wettbewerber,
- neue Anforderungen an den Spielerschutz,
- eine mögliche Neuberechnung der Lizenzgebühren.
Für Betreiber ist entscheidend, dass das Finanzministerium nicht nur die Einnahmeseite betrachten will. Auch die Wettbewerbsfähigkeit des regulierten Marktes soll in die Reform einfließen.
Was bedeutet die Affiliate-Lizenz für Vergleichsseiten?
Für Affiliate-Unternehmen wäre die geplante Lizenz ein erheblicher Eingriff. Neben den zusätzlichen Kosten müssten Portale vermutlich nachweisen, dass sie nur mit genehmigten Anbietern zusammenarbeiten und ihre Provisionen vollständig melden.
Mögliche Anforderungen könnten sein:
- Registrierung bei der NRA,
- Offenlegung der Betreiber und Eigentümer,
- Nachweis der Affiliate-Verträge,
- regelmäßige Provisionsmeldungen,
- Prüfung der beworbenen Casino-Lizenzen,
- Einhaltung der bulgarischen Werbevorschriften,
- klare Kennzeichnung kommerzieller Inhalte.
Noch ist jedoch nicht bestätigt, dass all diese Punkte Teil der endgültigen Regelung werden. Der Haushaltsentwurf legt zunächst vor allem das Lizenzprinzip und die geplanten Abgaben fest.
Was bedeutet die Reform für Spieler?
Für Spieler ändert sich kurzfristig wenig. Die bestehenden Werbeverbote und das aktuelle Lizenzsystem bleiben zunächst bestehen.
Langfristig könnte die Überarbeitung drei Auswirkungen haben:
- Nicht lizenzierte Seiten könnten stärker blockiert werden.
- Werbung und Sponsorendarstellungen könnten weiter eingeschränkt werden.
- Vergleichsportale müssten ihre wirtschaftlichen Beziehungen transparenter machen.
Eine strengere Kontrolle von Affiliates kann den Verbraucherschutz verbessern, sofern sie unseriöse Vermittler und nicht lizenzierte Anbieter tatsächlich aus dem Markt drängt. Werden die Kosten dagegen zu hoch angesetzt, könnten kleinere legale Informationsangebote verschwinden, während im Ausland betriebene Seiten schwer erreichbar bleiben.
Bulgarien sucht Balance zwischen Spielerschutz und Kanalisierung
Die bulgarische Debatte zeigt den grundlegenden Konflikt moderner Glücksspielregulierung: Strenge Regeln sollen Verbraucher schützen, dürfen den legalen Markt aber nicht so stark belasten, dass Spieler zu unregulierten Angeboten wechseln.
Die Regierung hat deshalb weder eine weitere Steuererhöhung noch eine zusätzliche Verschärfung des Werbeverbots vollständig ausgeschlossen. Sie will solche Eingriffe jedoch nicht isoliert beschließen.
Im Mittelpunkt steht nun die angekündigte Gesamtreform des Glücksspielgesetzes. Entscheidend wird sein, ob Bulgarien gleichzeitig den Spielerschutz verbessert, illegale Anbieter wirksam bekämpft und für lizenzierte Unternehmen wirtschaftlich tragfähige Bedingungen erhält.
Die mögliche Affiliate-Lizenz dürfte dabei zu einem der wichtigsten Testfälle werden. Sie könnte mehr Transparenz in die Vermarktung bringen, wirft aber noch zahlreiche Fragen zu Kosten, Zuständigkeit und grenzüberschreitender Durchsetzung auf.
Häufige Fragen zur Glücksspielregulierung in Bulgarien
Wird die bulgarische Glücksspielsteuer auf 30 Prozent erhöht?
Vorerst nicht. Die Regierung hat den Vorschlag der Opposition zurückgewiesen. Eine spätere Änderung im Rahmen der umfassenden Gesetzesreform bleibt möglich.
Ist Glücksspielwerbung in Bulgarien verboten?
Werbung im Fernsehen, Radio, in Printmedien und auf vielen Internetseiten ist grundsätzlich verboten. Für Außenwerbung, Spielstätten und bestimmte Sportaktivitäten bestehen begrenzte Ausnahmen.
Müssen Glücksspiel-Affiliates bereits eine Lizenz beantragen?
Noch nicht. Die Lizenzpflicht war am 23. Juli 2026 Bestandteil des Haushaltsentwurfs, aber noch nicht abschließend beschlossen.
Wie hoch soll die Affiliate-Abgabe ausfallen?
Vorgesehen sind eine feste jährliche Gebühr von 6.000 Euro sowie eine variable Abgabe von zehn Prozent auf Provisionseinnahmen.
Welche Behörde reguliert Glücksspiel in Bulgarien?
Zuständig ist die bulgarische Nationale Einnahmenagentur, die National Revenue Agency.
Externe Informationsquellen
- Bulgarische NRA: Glücksspiel und Lizenzierung
- Bulgarische Nachrichtenagentur: Haushaltsentwurf und Affiliate-Lizenz
- CMS: Überblick über das bulgarische Glücksspielrecht
Stand der Informationen: 23. Juli 2026.
















