BetConstruct AI: Neue CEO Lena Yasir setzt auf weniger Systeme statt mehr Tools

Steigende Steuern, schärfere Auflagen, sinkende Margen: Der iGaming-Branche geht die einfache Wachstumsphase aus. Lena Yasir, seit Juni 2026 CEO von BetConstruct AI, hat auf der iGB Live in London erklärt, wo sie den Hebel ansetzen will – und ihre Antwort ist bemerkenswert unglamourös.

Wer ist Lena Yasir?

BetConstruct AI hat die Managerin am 10. Juni 2026 als neue Chefin vorgestellt. Yasir kam 2008 in die Branche und arbeitete rund zwei Jahrzehnte im B2B-Bereich – unter anderem bei Ongame Network, Evolution und Play’n GO. Zuletzt verantwortete sie als Chief Commercial Officer das globale B2B-Geschäft von Pragmatic Play. Bei BetConstruct AI übernimmt sie die operativen Aufgaben von Leonid Kirakosyan.

Das Unternehmen selbst steckt ebenfalls in einem Umbau: Der zur SoftConstruct-Gruppe gehörende Anbieter firmierte 2025 von BetConstruct zu BetConstruct AI um und richtet seine Produktpalette seither konsequent auf Automatisierung und künstliche Intelligenz aus.

Warum die Branche unter Druck steht

Yasir beschreibt einen Wendepunkt: Regulatorischer Druck und Steuererhöhungen drückten die Margen inzwischen auf höchster Ebene. Betreiber stünden gleichzeitig unter Regulierungs-, Kosten- und Wettbewerbsdruck – und sollten trotzdem profitabler werden. Genau darin sieht sie ihre Aufgabe: Technologieanbieter müssten weniger Lieferant und mehr belastbarer Partner sein.

Ihr zentraler Befund betrifft die gewachsene IT-Landschaft vieler Anbieter. Viele arbeiteten mit zu vielen Systemen, zu vielen Lieferanten und zu vielen Schnittstellen – das bremse sie aus. Betreiber müssten schneller launchen, sich an Regulierung anpassen, Kosten steuern und Spieler halten. Yasirs Antwort ist Konsolidierung: weniger Integrationen, weniger technischer Überbau, mehr Tempo.

Die vier Prioritäten

Konkret nennt Yasir vier Schwerpunkte für ihre Amtszeit: einen stärkeren kommerziellen Fokus mit klarerer Marktstrategie; ein besseres Partner-Erlebnis bei Kommunikation, Service und Support; weiteres Wachstum in regulierten und wachstumsstarken Märkten; sowie den praktischen Einsatz von KI und Daten für Spielerbindung, Personalisierung, Risikomanagement und Profitabilität.

Beim Thema KI grenzt sie sich hörbar von der Marketing-Rhetorik der Branche ab. KI könne Betreibern helfen, Spieler besser zu verstehen, passende Angebote zu empfehlen, Abwanderung zu erkennen, Supportzeiten zu verkürzen und auffälliges Verhalten zu identifizieren. Aber: Ziel sei nicht, KI einzusetzen, weil sie gerade Trend ist – sondern verantwortungsvoll und nützlich.

Faktencheck: Was zu Brasilien wirklich gilt

Behauptung: Brasilien habe die Glücksspielsteuer von 12 % auf 15 % angehoben.

Prüfung: So stimmt das nicht. Der Satz auf die Bruttospielerträge (GGR) lag bei 12 %. Im November 2025 debattierte der Wirtschaftsausschuss des Senats über einen Entwurf von Senator Renan Calheiros, der eine Verdopplung auf 24 % vorsah – die Abstimmung wurde vertagt. Parallel verhandelte die Wettbranche laut einem Bericht von Folha de S. Paulo über 15 % statt 24 %, im Gegenzug für ein Programm zur rückwirkenden Steuernachzahlung.

Einordnung: 15 % war damit eine Verhandlungsposition der Industrie, kein beschlossener Steuersatz. Wer über Brasilien schreibt, sollte den Stand mit Datum belegen.

Unstrittig ist der Rahmen: Zum Januar 2025 startete Brasilien einen vollständig regulierten Markt für Wetten mit festen Quoten. Die Aufsichtsbehörde SPA vergab zunächst 15 Volllizenzen und 52 vorläufige Genehmigungen. Für Anbieter wie BetConstruct AI bleibt der Markt trotz offener Steuerfragen einer der wichtigsten Wachstumstreiber – das Unternehmen setzte zuletzt mit dem Angebot „Pure & Free” gezielt auf Brasilien.

Was das für den Markt bedeutet

Yasirs Ansatz ist ein Verkaufsargument – ein Anbieter mit breitem Portfolio hat naturgemäß ein Interesse daran, dass Betreiber ihre Lieferantenzahl reduzieren. Der zugrundeliegende Befund ist trotzdem plausibel: In einem Umfeld, in dem Steuern steigen und Marketingbudgets weniger bewirken, verschiebt sich der Wettbewerb von der Reichweite zur Betriebseffizienz. Ob Konsolidierung dabei tatsächlich günstiger ist als eine Best-of-Breed-Strategie, entscheidet sich pro Betreiber – nicht pauschal.

Teil zwei des SBC-Interviews zu den Wachstumsregionen war zum Redaktionsschluss noch nicht veröffentlicht.

Hannes Darben Hannes Darben ist Chefredakteur von casinovergleich.eu und spezialisiert auf Online-Glücksspiel, Regulierung und Casinotrends in Europa. Mit über zehn Jahren Branchenerfahrung analysiert er Anbieter, Boni und Spielstrategien und legt dabei besonderen Wert auf Transparenz, Spielerschutz und redaktionelle Qualität in allen Casino-Tests. mehr lesen
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