Der High Court hat die Klage von Northern Shell gegen die Vergabe der britischen National Lottery-Lizenz an Allwyn abgewiesen. Richter Smith bestätigte damit das umstrittene Ausschreibungsverfahren der Glücksspielkommission und beendete einen jahrelangen Rechtsstreit um die lukrative Lotterie-Lizenz, die einen jährlichen Umsatz von mehreren Milliarden Pfund generiert.
Gericht weist Vorwürfe gegen Lizenzverfahren zurück
The National Lottery Community Interest Company (TNLC), eine Tochter von Northern Shell, hatte argumentiert, dass Allwyn eine wichtige Ausschreibungsbedingung nicht erfüllt habe und die Kommission dies übersehen hätte. Richter Smith sah das anders: Die Glücksspielkommission dürfe durchaus Anpassungen vornehmen, wenn die Umsetzung das verlange. Bei einem Vertrag dieser Größenordnung bleibe oft weniger Zeit, um alles rechtzeitig zum Start der neuen Laufzeit umzusetzen.
Das Gericht betonte, dass die Glücksspielkommission bei der Bewertung der Angebote einen erheblichen Ermessensspielraum besitze. Die Richter stellten fest, dass die Kommission ihre Entscheidungen auf einer soliden rechtlichen Grundlage getroffen und alle relevanten Faktoren angemessen berücksichtigt habe. Insbesondere wurde hervorgehoben, dass die technischen Spezifikationen und finanziellen Garantien von Allwyn den Anforderungen entsprachen.
Allwyn übernimmt Camelot und sichert Übergang
Parallel zu TNLCs Klage hatte auch der bisherige Betreiber Camelot ein eigenes Verfahren angestrengt. Dieses wurde jedoch zurückgezogen, nachdem Allwyn UK im Februar 2023 die britischen Aktivitäten von Camelot übernahm. Diese strategische Übernahme sollte sicherstellen, dass Allwyn spätestens im Februar 2024 offiziell die Verantwortung für die National Lottery übernimmt. Zuvor hatte bereits das Competition Appeal Tribunal eine Beschwerde von Richard Desmond um eine angeblich unzulässige Marketing-Förderung von 70 Millionen Pfund abgewiesen.
Die Übernahme von Camelot durch Allwyn war ein strategischer Schachzug, der nicht nur die operative Kontinuität sicherstellte, sondern auch das Risiko rechtlicher Herausforderungen minimierte. Camelot hatte die National Lottery seit 1994 betrieben und verfügte über umfangreiche Erfahrungen und etablierte Systeme. Durch die Übernahme konnte Allwyn auf diese bewährten Strukturen aufbauen und gleichzeitig eigene Innovationen einführen.
Kommission verteidigt Transparenz des Auswahlprozesses
Die Glücksspielkommission betonte in ihrer Stellungnahme, dass das Urteil ihre Integrität im Vergabeprozess der vierten Lotterielizenz bestätigt. Keine der angefochtenen Änderungen am Lizenzvertrag habe gegen geltende Vergaberichtlinien verstoßen. Der Ausschuss sei seinem Auftrag treu geblieben: Fokus auf den Ertrag für gemeinnützige Zwecke, kombiniert mit strengen Anforderungen an Spielerschutz und Integrität.
Das Ausschreibungsverfahren für die vierte Lizenz war das bisher umfangreichste in der Geschichte der National Lottery. Die Kommission hatte strenge Kriterien für technische Kompetenz, finanzielle Stabilität und soziale Verantwortung festgelegt. Besonders wichtig war dabei die Fähigkeit der Bewerber, innovative digitale Lösungen zu implementieren und gleichzeitig traditionelle Vertriebskanäle zu erhalten. Die Bewertung erfolgte nach einem transparenten Punktesystem, das sowohl quantitative als auch qualitative Faktoren berücksichtigte.
Northern Shell scheitert an grundlegenden Kriterien
Richter Smith stellte klar, dass die angeblichen Versäumnisse “keinen ursächlichen Einfluss” auf das Verfahren gehabt hätten. TNLC wäre ohnehin nicht in die Endbewertung gekommen, da gewisse Pflichtkriterien nicht erfüllt wurden. Diese Einschätzung verdeutlicht die strukturellen Schwächen im Angebot von Northern Shell, das ursprünglich aus dem Verlagswesen stammt und erst später ins Glücksspielgeschäft expandieren wollte.
Die Schwächen in Northern Shells Bewerbung lagen hauptsächlich in der mangelnden Erfahrung im Lotteriebetrieb und unzureichenden technischen Kapazitäten. Das Unternehmen, das vor allem durch Zeitschriften wie “OK!” und “New!” bekannt ist, konnte nicht die erforderliche Expertise für den Betrieb einer nationalen Lotterie nachweisen. Insbesondere fehlten belastbare Konzepte für die digitale Transformation und den Omnichannel-Vertrieb, die für moderne Lotteriesysteme unerlässlich sind.
Allwyn plant Neuausrichtung bis 2034
Mit der bis 2034 laufenden Lizenz kann Allwyn nun seine Investitionspläne ohne weitere rechtliche Verzögerungen umsetzen. Das Unternehmen kündigte neue Angebote wie New Lotto und Powerball an. Die Rechtssicherheit ermöglicht es dem Betreiber, sich auf die Weiterentwicklung der Lotterie zu konzentrieren, statt Ressourcen für juristische Auseinandersetzungen aufzuwenden.
Allwyns Modernisierungspläne umfassen erhebliche Investitionen in digitale Technologien und mobile Anwendungen. Das Unternehmen plant, die Spielerfahrung durch personalisierte Angebote und verbesserte Benutzeroberflächen zu optimieren. Gleichzeitig sollen die Erträge für gemeinnützige Zwecke durch effizientere Betriebsabläufe und innovative Marketingstrategien gesteigert werden. Ein besonderer Fokus liegt auf der Erschließung jüngerer Zielgruppen, ohne dabei den verantwortungsvollen Umgang mit Glücksspiel aus den Augen zu verlieren.
Das Urteil markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der britischen National Lottery. Nach Jahren rechtlicher Unsicherheit können sich alle Beteiligten auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren: eine transparente, sichere Lotterie zu betreiben, die maximale Erträge für gemeinnützige Zwecke generiert. Für Northern Shell bedeutet die endgültige Niederlage das Ende der Ambitionen im britischen Lotteriemarkt und möglicherweise eine Neuausrichtung auf die angestammten Geschäftsbereiche im Medienbereich.
















