In mehreren US-Bundesstaaten nimmt die Glücksspielpolitik gerade spürbar Fahrt auf. Während einige Parlamente an Online-Sportwetten feilen, gehen andere gezielt gegen Gewinnspiel- bzw. Sweepstakes-Casinos vor oder prüfen, ob Online-Casinos (iGaming) künftig legal werden sollen. Parallel dazu wird in Kanada – ausgerechnet in Québec – erneut über eine Marktöffnung jenseits der Staatsmonopole diskutiert.
Key Facts im Überblick
- Indiana treibt ein Verbot von Gewinnspiel-Casinos voran und stärkt die Durchsetzungsmöglichkeiten der Gaming Commission
- Maryland diskutiert zwei Schienen: strengere Regeln für Sportwetten und erneut iGaming-Legalisierung mit Referendumsperspektive
- Hawaii debattiert weiter Online-Sportwetten mit bis zu sechs Lizenzen und 15 Prozent Steuer – trotz Widerstand aus Behördenkreisen
- Wisconsin verhandelt an AB 601: tribal-exklusiv vs. Öffnung für kommerzielle Anbieter bleibt Streitpunkt
- Washington will Wetten auf In-State-College-Teams zulassen, aber keine spielerbezogenen Props
- Québec diskutiert eine Lizenzlösung für private Betreiber – mit dem Argument Kanalisierung und zusätzliche Einnahmen
Wisconsin: AB 601 bringt Schwung – aber der Grundkonflikt bleibt
In Wisconsin ist die Sportwetten-Debatte wieder sichtbar auf der Agenda. Assembly Bill 601 hat in dieser Sitzungsperiode neuen Schub bekommen – doch die Fronten bleiben vertraut.
| Beteiligte | Haltung |
|---|---|
| Gouverneur Tony Evers | Befürwortet Online-Wetten über Stammesgemeinschaften |
| Republikanische Abgeordnete | Wollen kommerzielle Anbieter einbeziehen |
Der Kern ist weniger „ob“, sondern „wer“. Befürworter eines tribal-getriebenen Modells verweisen auf kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung der Stämme sowie bestehende Compact-Strukturen. Republikaner argumentieren mit „fairen Marktchancen“ und der Frage, ob ein geschlossenes Modell langfristig politisch tragfähig ist.
Indiana: HB 1052 gegen Sweepstakes-Casinos – und der Kalender drückt
Indiana setzt derzeit auf harte Kante gegen Gewinnspiel-Casinos. HB 1052 zielt darauf ab, sweepstakes-basierte Casinoangebote zu verbieten und zugleich die Handlungsfähigkeit der Indiana Gaming Commission auszubauen. Ein Senatsausschuss hat das Vorhaben unterstützt, größere Änderungsphantasien (Regulierung statt Verbot) wurden zwar angesprochen, aber bislang nicht umgesetzt.
| Wichtige Daten | Ereignis |
|---|---|
| zuvor | Passage im Repräsentantenhaus |
| zuletzt | Unterstützung im Senatsausschuss |
| 27. Februar | erwartetes Ende der Session – Zeitfenster wird eng |
Politisch ist das die klassische Dynamik: Je näher das Sitzungsende rückt, desto stärker werden „Mitnehmen oder sterben lassen“-Entscheidungen. Für Anbieter bedeutet das: Entweder wird der Markt in kurzer Zeit unattraktiv – oder die Durchsetzung bleibt (vorerst) bei Einzelfällen.
Maryland: Mehr Spielerschutz bei Sportwetten – plus dritter Anlauf für Online-Casinos
Maryland verfolgt aktuell zwei parallele Linien:
1) HB 518: Restriktionen für Sportwetten sollen Problemspiel-Risiken senken
Der Entwurf setzt stark auf Prävention und Eingriffslogik:
| Maßnahme | Beschreibung |
|---|---|
| Prop-Bet-Verbot | Umsetzung bzw. Verschärfung bestehender Leitlinien |
| Kreditkartensperre | Keine direkte Finanzierung von Wettkonten per Kreditkarte |
| Einzahlungslimits | Verpflichtende Festlegung individueller Grenzen |
| Zeitlimits | Pflicht zur Festlegung persönlicher Nutzungsgrenzen |
Das Signal ist eindeutig: Maryland will Sportwetten stärker „einhegen“, statt nur auf Warnhinweise zu setzen.
2) SB 761: Online-Casino-Legalisierung – diesmal wieder mit Referendum-Perspektive
Senator Ron Watson startet einen weiteren Anlauf, iGaming zu legalisieren (bereits der dritte Versuch). Unterstützer verweisen auf Kanalisierung und neue Steuereinnahmen. Gegner – darunter Gewerkschaften und Teile der landbasierten Branche – warnen erneut vor Jobverlusten und Kannibalisierung. Sollte das Parlament zustimmen, würde der Streit sehr wahrscheinlich in eine Abstimmung im November weitergereicht.
Hawaii: Online-Sportwetten bleiben umkämpft – sechs Lizenzen, 15 Prozent Steuer, aber starker Widerstand
Hawaii diskutiert weiter über Online-Sportwetten. Im Raum steht ein Modell mit bis zu sechs Anbietern und einer Steuer von 15 Prozent. Das Thema kommt politisch immer wieder hoch, weil die Nachfrage faktisch existiert – gleichzeitig melden Behörden und Polizeivertreter regelmäßig Bedenken an (Suchtgefahr, Durchsetzung, gesellschaftliche Folgekosten).
Der Status bleibt: Gespräche laufen, Hürden sind hoch, und die entscheidende Frage ist, ob das Vorhaben die notwendigen Mehrheiten überlebt, wenn es aus den Ausschüssen heraus in die Breite muss.
Washington: SB 6137 will Wetten auf In-State-College-Teams erlauben – ohne Spieler-Props
Im Staat Washington hat der Senat einen Vorschlag vorangebracht, der Wetten auf College-Teams aus dem eigenen Bundesstaat zulassen würde – allerdings unter klaren Bedingungen:
- erlaubt: Wetten auf Teams aus Washington
- verboten: spielerbezogene Prop-Wetten auf College-Athleten
- Rahmen: Fokus auf regulierte Angebote (insbesondere im tribal geprägten Umfeld)
Die Logik ist typisch für 2026: Legalisieren, um den grauen Markt zurückzudrängen – aber Schutzplanken setzen, um Integritäts- und Harassment-Risiken zu reduzieren.
Québec: Marktöffnung wieder auf dem Tisch – Lizenzmodell als Kanalisierungs-Argument
In Québec wird erneut lauter über eine Öffnung des Online-Glücksspielmarkts diskutiert. Befürworter argumentieren, ein Lizenzsystem könne zwei Ziele gleichzeitig erreichen: mehr Kontrolle und mehr Einnahmen, weil ein großer Teil des Online-Spiels ohnehin außerhalb der staatlichen Plattformen stattfinde.
| Vorschlag | Ziel |
|---|---|
| Unabhängige Aufsichtsbehörde | Objektive Regulierung und Überwachung |
| Provinzspezifische Standards | Anpassung an lokale Bedürfnisse |
| Lizenzen für private Anbieter | Kontrolle und Sicherstellung gesetzlicher Vorgaben |
| Gemeinwohlförderung | Finanzierung von Präventions- und Sozialprogrammen |
Das Thema ist politisch sensibel – aber je stärker andere Provinzen die Kanalisierung über Lizenzmodelle vormachen, desto schwerer wird es, eine reine Monopol-Logik dauerhaft zu verteidigen.
Was diese Welle gemeinsam hat
Über alle Regionen hinweg ist das Muster klar: Kanalisierung (weg vom Offshore- und Sweeps-Markt), Durchsetzung (mehr Befugnisse, klarere Verbote) und präventive Leitplanken (Limits, Kreditkartenverbote, Prop-Restriktionen) werden 2026 zum Standardrepertoire. Wer in den USA und Kanada operiert, muss sich weniger auf „ob reguliert wird“ einstellen – sondern darauf, wie streng und unter welchen Marktstrukturen.














