Die britische Regierung verschärft den Kampf gegen unlizenzierte Glücksspielanbieter im Sport. Kulturministerin Lisa Nandy kündigte eine Konsultation zu gesetzlichen Änderungen an, die Sponsoringverträge zwischen Sportvereinen und nicht lizenzierten Glücksspielanbietern verbieten sollen. Der Vorstoß zielt darauf ab, Verbraucher vor unregulierten Anbietern zu schützen und den britischen Glücksspielmarkt zu stabilisieren.
Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, da die britische Glücksspielkommission (UKGC) verstärkt gegen Anbieter vorgeht, die ohne gültige Lizenz auf dem britischen Markt operieren. In den vergangenen Jahren haben mehrere internationale Glücksspielunternehmen ihre UK-Lizenzen verloren oder zurückgegeben, blieben jedoch über komplexe Vertragsstrukturen im britischen Sport sichtbar.
White-Label-Modell im Visier der Regulierer
Auslöser für die geplanten Maßnahmen sind sogenannte White-Label-Vereinbarungen, über die ausländische Betreiber trotz verlorener UK-Lizenz weiterhin im britischen Sport präsent blieben. Diese Konstruktionen ermöglichen es Unternehmen, ihre Marken über Drittanbieter zu vermarkten und dabei regulatorische Beschränkungen zu umgehen. Das Kulturministerium warnt, dass solche Partnerschaften Spieler auf ungeeignete oder unregulierte Plattformen locken könnten.
Besonders problematisch sehen Regulierungsbehörden die Tatsache, dass Verbraucher oft nicht erkennen können, ob ein beworbener Anbieter über eine gültige UK-Lizenz verfügt. Die komplexen Eigentümerstrukturen und Markenlizenzierungen erschweren die Transparenz erheblich. Experten schätzen, dass derzeit etwa 15-20 Prozent aller Glücksspiel-Sponsoringverträge im britischen Sport über solche indirekten Konstruktionen abgewickelt werden.
Konsultation soll Branchenposition klären
Für das Frühjahr plant die Regierung eine öffentliche Konsultation, in der Sportvereine, Glücksspielunternehmen und andere Interessensgruppen ihre Standpunkte einbringen können. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich Sponsorenverträge mit nicht lizenzierten Betreibern auf den Markt auswirken. Bislang verstoßen Vereine nicht gegen geltendes Recht, wenn sie solche Verträge abschließen – das könnte sich jedoch ändern.
Die Konsultation wird voraussichtlich acht bis zwölf Wochen dauern und verschiedene Szenarien für die Umsetzung des Verbots prüfen. Diskutiert werden unter anderem Übergangsfristen für bestehende Verträge, Ausnahmeregeln für internationale Übertragungen und mögliche Sanktionen bei Verstößen. Sportverbände fordern bereits jetzt Klarheit über die finanziellen Auswirkungen, da Glücksspiel-Sponsoring einen erheblichen Anteil ihrer Einnahmen ausmacht.
Taskforce koordiniert mehrgleisigen Ansatz
Parallel zur Konsultation arbeitet eine spezielle Taskforce gegen illegales Glücksspiel. Die Arbeitsgruppe konzentriert sich auf drei zentrale Bereiche:
- Online-Werbung: Entfernung illegaler Glücksspielwerbung von sozialen Plattformen in Kooperation mit TikTok und Google
- Zahlungsströme: Blockierung von Transaktionen an nicht lizenzierte Anbieter durch Zusammenarbeit mit Visa und Mastercard
- Behördenkooperation: Verbesserte Abstimmung zwischen Kontrollstellen und Finanzaufsicht
Die Taskforce hat bereits erste Erfolge erzielt: Seit ihrer Gründung im vergangenen Jahr wurden über 2.000 illegale Glücksspiel-Websites blockiert und mehrere Millionen Pfund an unrechtmäßigen Transaktionen gestoppt. Die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern soll künftig intensiviert werden, da viele unlizenzierte Anbieter ihren Sitz in Offshore-Jurisdiktionen haben.
Premier League verschärft bereits Trikotsponsoring-Regeln
Die Fußball-Premier League hat bereits reagiert: Ab der Saison 2025/26 ist Trikotsponsoring auf der Vorderseite für Glücksspielanbieter nicht mehr erlaubt. Ärmelwerbung bleibt jedoch weiterhin möglich. Diese Selbstregulierung betrifft auch Anbieter ohne britische Lizenz und könnte als Blaupause für andere Sportarten dienen.
Die Entscheidung der Premier League erfolgte nach intensiven Diskussionen mit der Regierung und Verbraucherschutzorganisationen. Schätzungen zufolge werden die 20 Premier League-Vereine dadurch jährlich etwa 60-80 Millionen Pfund an Sponsoring-Einnahmen verlieren. Gleichzeitig öffnet sich der Markt für andere Branchen wie Technologie, Automobilhersteller und Finanzdienstleister.
Internationale Vorbilder und Vergleiche
Großbritannien orientiert sich bei den geplanten Maßnahmen an internationalen Vorbildern. Italien hat bereits 2019 ein weitreichendes Werbeverbot für Glücksspielanbieter eingeführt, das auch Sponsoring umfasst. Spanien und Belgien haben ähnliche Beschränkungen implementiert, allerdings mit unterschiedlichen Ausnahmeregeln für lizenzierte Anbieter.
In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag seit 2021 die Werbung für Glücksspielanbieter streng, erlaubt jedoch Sponsoring durch lizenzierte Unternehmen unter bestimmten Auflagen. Branchenexperten sehen in den britischen Plänen einen Mittelweg zwischen kompletten Werbeverboten und völlig liberalisierten Märkten.
Branche sucht nach alternativen Vermarktungswegen
Glücksspielunternehmen reagieren auf die verschärften Regeln mit neuen Marketingstrategien. LED-Bandenwerbung, digitale Inhalte und internationale Sponsoring-Vereinbarungen außerhalb Großbritanniens gewinnen an Bedeutung. Branchenjuristen sehen weiterhin wirtschaftlich attraktive Möglichkeiten, wenn die Verträge entsprechend gestaltet werden.
Innovative Ansätze wie Virtual Reality-Werbung, Influencer-Marketing und datengestützte Zielgruppenwerbung entwickeln sich zu wichtigen Alternativen. Einige Unternehmen investieren verstärkt in E-Sports-Sponsoring oder Partner-Programme mit Medienunternehmen, um ihre Reichweite zu erhalten.
Die geplanten Maßnahmen fügen sich in eine breitere Strategie der britischen Regierung ein, unlizenzierte Glücksspielaktivitäten zurückzudrängen. Baroness Twycross betont, dass nicht reguliertes Glücksspiel erhebliche soziale Schäden anrichten kann. Mit dem Verbot von Glücksspiel-Sponsoring ohne Lizenz will die Regierung den Verbraucherschutz stärken und langfristig für mehr Marktstabilität sorgen. Die Umsetzung wird voraussichtlich 2025 beginnen, wobei eine schrittweise Einführung mit Übergangsfristen wahrscheinlich ist.














